Alois Kracher baut seine Süßweine in zwei Stilrichtungen aus.
"Zwischen den Seen"
Der Name ist im weiteren Sinn eine Lagenbezeichnung. Die Reben dieser Weine wachsen zwischen den größeren und kleineren Gewässern des Seewinkels. Der Stil folgt der klassisch-burgenländischen Tradition und interpretiert sie neu. Die Weine werden in großen Holzfässern von 500 bis 3000 Litern ausgebaut und bleiben lange im Kontakt mit der Hefe. Ziel ist es, Frische, Frucht und primäre Traubenaromatik in die Flasche zu bringen.
"Nouvelle Vague"
Der Name ist Programm: Wie die gleichnamige Bewegung des französischen Films folgt auch die Stilistik dieser Weine dem Prinzip der Offenheit und der Synthese. Kracher hat Ideen und Einflüsse aus allen Weinbaugebieten der Welt aufgenommen und zu einer neuen Einheit verschmolzen.
Die Weine sind durch den Ausbau im Barrique und den Luftaustausch während der Reifung geprägt. Lebendigkeit des Geschmacks, Tiefe, Würze und Nachhaltigkeit sind ihre charakteristischen Merkmale
Was dabei konkret herauskommt, ist allerdings jedes Jahr ein wenig anders. "Letztlich ist nicht eine formale Stilistik entscheidend, schon gar nicht irgendwelche Analysewerte", sagt Luis, "sondern das, was ich in der Nase spüre und am Gaumen schmecke."
Süßweine mit Edelfäule
Der Schimmelpilz "Botrytis cinerea" entzieht den Beeren Wasser. Sie schrumpfen rosinenartig ein, wobei Zucker, Säure und Aromastoffe konzentriert werden. Für die Arbeit mit Botrytis braucht es viel Fingerspitzengefühl. Edelfaule Trauben müssen im idealen Moment geerntet werden, wenn die Beeren bereits deutlich geschrumpft sind, aber bevor sie zu hohe Werte an volatiler Säure enwickeln. Das erfordert strenge Selektion am Rebstock - daher auch der Name "Auslese". Alois Kracher geht bis zu acht Mal pro Ernte durch die Weingärten, um für jede Traube den richtigen Zeitpunkt zu erwischen.
Die Individualität jedes Weins steht dabei im Vordergrund. So gibt es in den meisten Jahren 10 oder sogar mehr Trockenbeerenauslesen, manche sortenrein ausgebaut, manche als Cuvée. "Ich will dass jeder meiner Weine einen eigenständigen Charakter hat", sagt Luis, "manches Mal mache ich dazu eine Cuvée, aber wenn eine Sorte für sich interessant ist, will ich nicht mehr viel verändern."
Eisweine
Für Eiswein müssen die Trauben bei der Ernte gefroren sein und noch im gefrorenen Zustand gepresst werden. Durch den Frost kristallisiert das Wasser in den Beeren, der Most wird auf natürliche Weise konzentriert. Solche Weine können erst gekeltert werden, wenn mehr als einen Tag lang Temperaturen unter -7° Celsius herrschen.